Lobby pro Tier

Lobby pro Tier - Mienenbüttel

Bürgerinitiative (BI) gegen Tierversuche

 

Inge Prestele

Salzstraße 22

21335 Lüneburg

 

info@lobby-pro-tier.de

 
 
 

23.08.2010

Geheimniskrämerei um das Tierversuchslabor Mienenbüttel

Bündnis 90/Die Grünen im Gemeinderat Neu Wulmstorf 


Neu Wulmstorf, den 23.08.2010


An die Redaktionen.
Wir bitten Sie, folgenden Artikel zu drucken:


Pressemeldung
Geheimniskrämerei um das Tierversuchslabor Mienenbüttel

 

Die Grünen möchten wissen, was in dem mit Natodraht hermetisch abgeriegelten Gebäude des Tierver-suchs-Labors der Firma LPT in Mienenbüttel genau geschieht. Sie haben in Zusammenarbeit mit der örtli-chen Bürgerinitiative gegen Tierversuche „Lobby pro Tier – Mienenbüttel“ umfangreiche Anfragen an den Gemeinderat, den Kreistag und das LAVES (Nds. Landesamt f. Verbraucherschutz und Lebensmittelsicher-heit) gestellt. Unter anderem wollen sie wissen, welche Tierarten dort unterbracht sind, wie viele Tiere dort in den vergangenen Jahren getötet worden sind, wie viele Tiere überleben und was mit ihnen geschieht, welche Kontrollen durch den Amtstierarzt dort stattgefunden haben, in welchem Umfang die Anlage 2008 und 2009 baulich erweitert worden ist, wie viele Beschäftigte dort arbeiten, welche Chemikalien gelagert werden und welche Evakuierungsmaßnahmen für den Katastrophenfall vorgesehen sind.

 

Mehrere hundert Beagles in den zum Teil einsehbaren Zwingern des LPT hinter Natodraht sind der einzige unmissverständliche Anhaltspunkte dafür, dass hier Tiere in grausamen Tierversuchen gequält und getötet werden. Die Bürgerinitiative gegen Tierversuche, Lobby pro Tier - Mienenbüttel, engagiert sich seit über einem Jahr für die Versuchstiere und informiert mit fachlicher Unterstützung durch den Verein Ärzte gegen Tierversuche e. V. und mit politischer Unterstützung von Bündnis 90/Die Grünen auf Gemeinde- und Kreis-ebene. Der Neu Wulmstorfer Grüne Joachim Franke dazu: „Nachdem nicht einmal dem Bürgermeister von Neu Wulmstorf Einlass in die Anlage des LPT gewährt wird, bekommen die von uns in den vergangenen Monaten gestellten Fragen und die zum Teil lückenhaften Antworten der Aufsichtsbehörden immer mehr Brisanz.“

 

Mittlerweile wurde bereits bekannt, dass kein Tier das Tierversuchslabor in Mienenbüttel lebend verlässt. Alle Tiere sterben entweder im Versuch oder werden nach überlebtem Versuch getötet. Nachdem der Landkreis Harburg und das LAVES geantwortet haben, müssen wir feststellen, dass viele Fragen von den Aufsichtsbehörden unbeantwortet blieben, als Betriebs- und Geschäftsgeheimnis deklariert wurden und/oder sogar differieren. Laut LAVES sind alle beim LPT durchgeführten Versuche nur anzeigepflichtig.
Die Ortsverband BĂĽndnis 90 /Die GrĂĽnen ist im Internet: www.gruene-neuwulmstorf.de
Versuchsvorhaben, deren Durchführung ausdrücklich durch Gesetz, Rechtsverordnung oder durch das Arz-neibuch oder durch unmittelbar anwendbaren Rechtsakt eines Organs der Europäischen Gemeinschaften vorgeschrieben ist, bedürfen gem. § 8 Tierschutzgesetz, Abs. 7, 1. a), nicht der Genehmigung.

 

Sabine Brauer von Lobby pro Tier sagt dazu: „Aber auch diese Tierversuche sind grausam, unzuverlässig und täuschen eine falsche Sicherheit vor. Sie müssen ersetzt werden durch alternative tierversuchsfreie Metho-den z. B. mit Zellkulturen, Computersimulationen und anderen Verfahren, die wesentlich effektiver sind, bessere Ergebnisse bringen und damit einer modernen sicheren Wissenschaft entsprechen. Es ist völlig unverständlich, dass z. B. beim LPT lt. verlässlicher Aussage der Ärzte gegen Tierversuche im Jahre 2008 allein 34.000 Mäuse im LD50-Test einen grausamen Erstickungstod sterben mussten – Tendenz steigend - weil jede produzierte Charge des Faltenkillers Botulinumtoxin, bekannt als „Botox“ oder ähnlicher Präpara-te im Tierversuch getestet wird, obwohl alternative Verfahren existieren.“

 

Viele Fragen und wenige Antworten:

 

1. Die Frage nach der Anzahl der für Botulinumtoxinprodukte getöteten Mäuse hakt der Landkreis unter Betriebs- und Geschäftsgeheimnis des Versuchslabors ab. Die Aussage des LAVES „In Mienenbüttel werden bislang keine Mäuse in Versuchen eingesetzt.“ kann nur zu größter Verwunderung Anlass geben, ist es doch letztendlich völlig egal, ob diese Tiere in Hamburg-Neugraben oder in Mienenbüttel zu Tode gequält werden. Und mittlerweile sind Zweifel erlaubt, ob die Fragen wirklich wahrheitsgemäß beantwortet wurden.

 

2. Die Frage nach artgerechter Haltung der Beagles, die jeweils zu zweit in kleinen Innen- und Außenzwin-gern ihr dem Tode geweihtes Leben fristen, wurde vom LAVES komplett ignoriert. Der Landkreis stellt nur lapidar fest, dass diese sogenannte „Rudelhaltung“ tierschutzrechtlichen Anforderungen in Art und Umfang entspricht.

 

3. Das LAVES lässt sich zur Frage nach Anzahl der getöteten Hunde und der Art der anzeigepflichtigen Tests nicht aus. Der Landkreis bestätigt nur den Tod sämtlicher Versuchstiere.

 

4. Zu Affenversuchen berufen sich beide Behörden auf das Betriebs- und Geschäftsgeheimnis des Versuchs-labors .

 

5. Für die Beantwortung der Frage nach der Anzahl der anzeigepflichtigen Versuche ist lt. LK das LAVES zu-ständig. Das LAVES zieht sich jedoch erneut hinter das Betriebs- und Geschäftsgeheimnis zurück.

 

6. Für die Kontrollen ist lt. LAVES und Landkreis vor allen Dingen der Kreis verantwortlich. Hier zählt der Landkreis die vorgeschriebenen Kontrollen auf. Berichtet aber von nur von Beanstandungen, die weiterrei-chende Maßnahmen nicht nötig machten. Das LAVES kontrolliert in der Regel einmal im Jahr.
Die Ortsverband BĂĽndnis 90 /Die GrĂĽnen ist im Internet: www.gruene-neuwulmstorf.de

 

7. Für Fragen zu ggf. vom LPT eingesetzten alternativen Testmethoden erklärt sich der Landkreis nicht zu-ständig. Das LAVES verweist nur auf § 8, Abs. 7, Tierschutzgesetz und gibt keine weiteren Auskünfte zu tier-versuchsfreien Tests.

 

8. Die bauliche Erweiterung der Anlage in MienenbĂĽttel in 2008 dient lt. Landkreis der Gruppenhaltung und als Labor.

 

9. Als Aussage zur Qualifikation des Personals beim LPT, dass mit den Versuchstieren Kontakt hat, wurde nur auf die Einhaltung des Tierschutzgesetzes in diesem Zusammenhang verwiesen, bzw. vom Landkreis als ausreichende Anzahl qualifizierter Beschäftigter angegeben.

 

10. Aussagen zu Schutz-, Vorsorge- und Evakuierungsmaßnahmen bei Feuer oder anderen möglichen Kata-strophenfällen wurden vom LAVES gar nicht beantwortet. Der Landkreis verweist nur auf das Gewerbeauf-sichtsamt bzgl. radioaktiver Stoffe und/oder anderer Chemikalien und berichtet weiter von einem Alarm-plan für die Feuerwehr und einem regelmäßig anwesendem Sicherheitsdienst. Auf die Frage einer möglichen Evakuierung werden nur „die allgemeinen Regeln zur Evakuierung im Kata-strophenfall“ angegeben.

 

11. Schutzmaßnahmen bezüglich eventueller Emissionen wie Lärm, Licht du Gefahren durch Feuer, Rauch o. ä. aus dem angrenzenden Gewerbegebiet Mienenbüttel „LogPark Hamburg“ werden vom Landkreis Har-burg nicht für erforderlich gehalten.

 

„Mit diesen Antworten können und wollen wir uns genauso wenig zufrieden geben, wie der Bürgermeister mit der Tatsache, vom LPT nicht hereingelassen zu werden. Wir werden uns daher auch nicht scheuen, die Grünen im Landtag in Hannover und der Hamburger Bürgerschaft um Unterstützung zu bitten.“, sagt der Grüne, Joachim Franke. „ Die Arbeit der sehr engagierten Bürgerinitiative in Neu Wulmstorf gilt es auch weiterhin zu unterstützen. Auch eine parteiübergreifende Zusammenarbeit und Unterstützung in Gemeinde und Kreis können wir uns in diesem Zusammenhang sehr gut vorstellen.“

 

Zusammenfassend sagt dazu Sabine Brauer: „ Beide Behörden haben sich nur soweit auf die Fragen einge-lassen, wie es nicht zu umgehen war. Jeder Hundebesitzer weiß, was Zwingerhaltung - über Jahre ohne jeglichen Auslauf - für Hunde bedeutet. Artgerechte Tierhaltung sieht anders aus als Käfighaltung auf engs-tem Raum. Aber für Tierversuche und Massentierhaltung gelten leider immer noch andere Bedingungen, abgesegnet durch unser antiquiertes „Tierschutzgesetz“, dass wirtschaftliche Interessen weitaus höher stellt, als das Leid von Abermillionen Tieren.

 

Zum Schutz von Mensch und Tier müssten gerade die Aufsichtsbehörden größtes Interesse am Ersatz von Tierversuchen durch alternative Testmethoden haben, erklären sich aber für nicht zuständig oder verweisen auf das Tierschutzgesetz.


Den Ausgang einer Evakuierung im Katastrophenfall möchte ich mir gar nicht erst vorstellen. Wer will all diese Hunde in den Außenzwingern und die unbekannte Anzahl aller anderen Tiere von der Maus bis zum Affen oder Schwein aus ihren Käfigen herausholen. Wie will man deren Abtransport und weitere Unterbrin-gung sicherstellen.

Nach einem Brand z. B. wäre folgende Schlagzeile in den Medien sehr gut vorstellbar:

Feuer gelöscht - traurige Bilanz: Tausende Tiere im Rauch erstickt“

 

Michael Krause, Joachim Franke
BĂĽndnis 90/Die GrĂĽnen Ortsgruppe Neu Wulmstorf


In Zusammenarbeit mit


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Lobby pro Tier - MienenbĂĽttel wird unterstĂĽtzt von Ă„rzte gegen Tierversuche e. V.
www.aerzte-gegen-tierversuche.de

Pressemitteilung v. 21.05.2010

LPT in Hamburg-Neugraben spricht mit CDU-Abgeordnetem

Die TĂĽren des Tierversuchslabors in MienenbĂĽttel bleiben verschlossen.

 

Was Bürgermeister Rosenzweig seit 8 Monaten verwehrt wird, war für Harald Krüger, CDU-Mitglied, Fachsprecher Tierschutz und Abgeordneter in der Bezirksversammlung Harburg, kein Problem. Er erhielt „Audienz“ bei den Verantwortlichen des LPT. Am 10. Mai führte er nach eigenen Angaben ein „nicht ganz einfaches“ Gespräch mit den Herren Dr. Leuschner und Dr. Winkler vom LPT in Neugraben. Nun hat es aber den Anschein, dass es ihm dabei vor allen Dingen um die Sicherung der wirtschaftlichen Existenz des LPT ging, im Zusammenhang mit dem anstehenden Entscheid über das von der Fraktion Die Linke beantragte Verbandsklagerecht für Tierschutzorganisationen in Hamburg.

 

Der mit „Lobby pro Tier – Mienenbüttel“ in engem Kontakt stehende Hamburger Verein „Bürger gegen Tierversuche e. V.“ hatte den CDU-Abgeordneten um Kontaktaufnahme und Informationen zum LPT gebeten. Was und ob Harald Krüger tatsächlich etwas über die Niederlassung Hamburg und deren Arbeit erfahren hat, wird von seinem Büro in dem uns vorliegenden Schriftwechsel leider nicht preisgegeben. Die Aussage, dass es keine Beanstandungen seitens der Behörden gibt, sollte selbstverständlich sein. Ebenso selbstverständlich ist, dass alle Versuche vom LPT gesetzeskonform durchgeführt werden.

 

Die Auskunft, dass beim LPT nur anzeigepflichtige Versuche durchgeführt werden und auf genehmigungs­pflichtige Tierversuche von vornherein verzichtet wird, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich auch hierbei ebenfalls um grausamste Tests handelt, in denen tausende Tiere qualvollen, mit großen Schmerzen und Todeskämpfen einhergehenden Versuchen ausgesetzt werden. Hierzu zählt u. a. der sowohl so lukrative wie abscheuliche LD50-Test für den Faltenkiller „Botox“, in dem allein im Jahr 2008 beim LPT 34.000 Mäuse einen qualvollen Erstickungstod sterben mussten, obwohl es nach Aussagen der Ärzte gegen Tierversuche hierfür tierversuchsfreie Alternativen gibt. Genehmigungspflichtige Versuche, weil teuer und zeitaufwändig, werden wohl eher von Universitäten für fragwürdige Grundlagenforschung durchgeführt und aus Steuermitteln gefördert.

 

Überdies ist für anzeigepflichtige Tierversuche lediglich ein Formular auszufüllen. Für die Durchführung genehmi­gungs­pflichtiger Tierversuche muss dagegen zumindest eine gewisse büro­kratische Hürde in Form der beratenden "Ethik-Kommission" und der Genehmigung durch die zuständige Behörde überwunden werden. Das bedeutet also wenigstens einen zeitlichen und finanziellen Mehr­aufwand.

 

Damit haben sowohl der Besuch, als auch die Einblicke, die das LPT in seine Arbeit gegeben haben mag, keinesfalls zu mehr Transparenz beigetragen. Und auch über das Tierversuchslabor in Mienenbüttel liegt uns nur die Aussage vor, „dass die Zusammen­arbeit zwischen dem LPT und der zuständigen Behörde in Niedersachsen sehr gut funktioniere“. Die Verantwortlichen beim LPT scheuen anscheinend weiterhin die Öffentlichkeit und verschanzen sich nach wie vor hinter Paragraphen und deren kontrollierter Einhaltung ohne jegliche Einsicht eines Umdenkens in Richtung tierversuchsfreier alternativer Forschung und Wissenschaft.

 

Warum das LPT allerdings einen CDU-Abgeordneten der Harburger Bezirksversammlung zum Gespräch empfängt und dem Bürgermeister von Neu Wulmstorf mit fadenscheinigen Ausreden den Besuch verwehrt, erschließt sich uns jetzt erst recht nicht mehr.